Bildungssysteme und vergeschlechtlichte Übergänge von Schule in Ausbildung und Arbeit

Frauen und Männer arbeiten auf dem Schweizer Arbeitsmarkt in unterschiedlichen Berufen. Diese Geschlechtersegregation führt zu ungleichen Lebenschancen. Im Projekt wird untersucht, wie das Schweizer Bildungssystem zu den Geschlechterverhältnissen auf dem Arbeitsmarkt beiträgt.

Das Schweizer Bildungssystem drängt jugendliche Schulabgänger zu einer frühen beruflichen Orientierung. Das differenzierte Angebot der Ausbildungsberufe ermöglicht es den Jugendlichen dabei, geschlechtertypische Berufswahlentscheide zu treffen. Diese Entscheide werden durch die institutionelle Kopplung von Bildung und Beschäftigung längerfristig in unterschiedliche Arbeitsstellen von Frauen und Männern überführt.

Trotz dieser wichtigen Erkenntnis mangelt es bisher an Forschung zur Rolle des Bildungssystems bei der Herstellung der Geschlechtersegregation auf dem Arbeitsmarkt. Das Forschungsprogramm setzt an dieser Forschungslücke an. Es untersucht das Schweizer Bildungssystem als institutionellen Akteur, der die Verzahnung biographisch früher Bildungs- und Berufsaspirationen mit späteren Arbeitsmarktpositionen aktiv mitgestaltet.

Das Projekt wird empirisch gestütztes Wissen dazu liefern, wie verschiedene institutionelle Logiken des Bildungssystems zur Geschlechtersegregation auf dem Arbeitsmarkt beitragen. Damit ermöglicht es entscheidungsrelevantes Steuerungswissen für die Reduzierung von Geschlechterungleichheit in Ausbildung und Arbeit.

Basierend auf einem soziologischen Verständnis von Bildungssystemen, welches die Analysekategorie Geschlecht integriert, leistet das Projekt einen innovativen Beitrag zur internationalen Übergangsforschung. Methodisch wird ein regional und international vergleichender Fallstudienansatz gewählt. Datengrundlage bilden die Schweizer Jugendlängsschnittstudie TREE sowie verschiedene Längsschnittstudien aus Deutschland, Frankreich, Norwegen, und Kanada.

Die regionalen und internationalen Fallstudien zum Zusammenhang von Bildungssystem und Geschlechtersegregation werden ergänzt durch zwei eigenständige Dissertationsprojekte. Das eine Projekt erforscht die Rekrutierungs- und Selektionslogiken von allgemein- und berufsbildenden Schulen in der Schweiz. Das andere Projekt untersucht, wie junge Frauen und Männer ihre Ausbildungskarrieren in Anbetracht unterschiedlicher (schulischer vs. beruflicher) Ausbildungsangebote individuell mitgestalten.

Das Projekt wird relevantes Wissen für künftige Bildungsreformen liefern, um die institutionelle Reproduktion von Geschlechterungleichheit in Ausbildung und Arbeit in Zukunft zu vermindern.


Weitere Informationen zu den vier Teilprojekten: